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Emissionsabschätzung nach IPCC

Aus einer kartierten Brandfläche wird eine Emissionsmenge nach einem veröffentlichten, nachrechenbaren Verfahren. Wichtiger als das Ergebnis ist seine Bandbreite — und die ist groß.

Grundlage
IPCC 2006 Guidelines, Band 4, Kapitel 2, Gleichung 2.27
Modelle
Tabellen 2.4 · 2.5 · 2.6 · 4.3
Treibhauspotenziale
AR6 GWP-100: CH₄ 27,0 · N₂O 273
Gesamtunsicherheit
55 bis 70 % (Faktor 1,6 bis 2)

Die Gleichung

Die freigesetzte Menge eines Gases folgt aus vier Größen: der verbrannten Fläche, der Brennstoffmasse je Fläche, dem Anteil davon, der tatsächlich verbrennt (dem Verbrennungsfaktor), und dem Emissionsfaktor des jeweiligen Gases in Gramm je Kilogramm Trockenmasse.

Die Fläche kommt aus den EFFIS-Polygonen, der Vegetationstyp aus deren Landbedeckungsanteilen, die Faktoren aus den Tabellen der IPCC-Leitlinien von 2006. Die Überarbeitung von 2019 markiert die Tabellen für Brennstoffverbrauch und Verbrennungsfaktoren als aktualisiert, die für den Balkan einschlägigen Werte sind dabei unverändert geblieben; die Tabelle der Emissionsfaktoren wurde nicht angefasst.

Die verwendeten Faktoren

Verbrennungsfaktoren nach Tabelle 2.6: 0,45 ± 0,16 für Nadel-, Laub- und Mischwald; 0,72 ± 0,25 für mediterrane Strauchvegetation und Übergangsvegetation; 0,77 ± 0,26 für Grasland. Für Ernterückstände führt die Tabelle keinen eigenen Faktor — SAMOWESP setzt dort ersatzweise den Grasland-Wert und weist das aus.

Der Kohlenstoffanteil nach Tabelle 4.3 beträgt im Vorgabewert 0,47, bei Laubbäumen 0,48 und bei Nadelbäumen 0,51; die Umrechnung von Kohlenstoff auf Kohlendioxid erfolgt mit dem Faktor 44/12.

Für das Kohlendioxid-Äquivalent gelten die Werte des sechsten Sachstandsberichts über hundert Jahre: 27,0 für biogenes Methan und 273 für Lachgas.

Emissionsfaktoren nach IPCC-Tabelle 2.5g je kg Trockenmasse
GasAußertropischer WaldSavanne und Grasland
CO₂1.569 ± 1311.613 ± 95
CO107 ± 3765 ± 20
CH₄4,7 ± 1,92,3 ± 0,9
N₂O0,26 ± 0,070,21 ± 0,10
NOx3,0 ± 1,43,9 ± 2,4

Angegeben sind Mittelwert und Standardabweichung. Kohlenmonoxid und Stickoxide sind indirekte Treiber und gehen nicht in das CO₂-Äquivalent ein.

Offengelegte Modellannahmen

Vier Punkte, an denen gerechnet und nicht gemessen wird — sie stehen in jeder ausgegebenen Methodenzeile.

Erstens kennen die IPCC-Tabellen keine Kategorie „mediterran". Für Kiefernwald an der Adria ist zwischen „anderen temperaten Wäldern" (0,45), borealem Kronenfeuer (0,43) und Bodenfeuer (0,15) zu wählen. SAMOWESP nimmt durchgehend den ersten Wert, weil die Fußnote der Tabelle die übrigen Waldtypen ausdrücklich dieser Kategorie zuordnet. Das ist eine Modellannahme, keine Messung.

Zweitens gibt Tabelle 2.4 bereits das Produkt aus Brennstoffmasse und Verbrennungsfaktor an, nicht die Masse allein. Wer diese Werte nimmt und nochmals mit dem Verbrennungsfaktor multipliziert, rechnet um mehr als die Hälfte zu klein.

Drittens schließen sich zwei Rechenwege für Kohlendioxid gegenseitig aus. Der Emissionsfaktor von 1569 Gramm je Kilogramm entspricht rechnerisch einem Kohlenstoffanteil von etwa 0,428, weil ein Teil des Kohlenstoffs als Kohlenmonoxid, Methan und Ruß entweicht. Wer den Emissionsfaktor-Pfad und den Kohlenstoff-Pfad addiert, zählt denselben Kohlenstoff doppelt.

Viertens kann die Rechnung auf dieser Stufe im Brandjahr überschätzen, weil der Kohlenstoff abgetöteter, aber nicht verbrannter Biomasse sofort als freigesetzt gilt. Flüchtige organische Verbindungen außer Methan bleiben wegen zu großer Unsicherheit ganz außen vor — so schreiben es die IPCC-Leitlinien selbst vor.

Warum es nie eine einzelne Zahl gibt

Die Unsicherheiten der Eingangsgrößen sind bekannt und groß: rund 36 Prozent auf den Verbrennungsfaktor im temperaten Wald, rund 35 Prozent im Strauchland, rund 8 Prozent auf den Kohlendioxid-Emissionsfaktor, 30 bis 50 Prozent auf die Biomasse und 20 bis 30 Prozent auf die Brandfläche aus Satellitendetektion.

In Quadratur fortgepflanzt ergibt das 55 bis 70 Prozent Gesamtunsicherheit auf die Kohlendioxid-Menge — einen Faktor 1,6 bis 2.

Daraus folgt die Ausgabekonvention: SAMOWESP gibt Kohlendioxid grundsätzlich als Spanne und auf zwei signifikante Stellen gerundet aus. Jede Funktion der Bilanz liefert Wert, Untergrenze, Obergrenze, Einheit und Methode zurück und niemals eine nackte Zahl. Bei Lachgas ist die Bandbreite noch größer: 27 Prozent allein aus dem Emissionsfaktor, multipliziert mit einem Treibhauspotenzial von 273. Wer ein Kohlendioxid-Äquivalent ausgibt, muss die Bandbreite zwingend mitausgeben.

Die Brennstoffmasse

Die oberirdische Biomasse kommt aus dem Datensatz ESA CCI Biomass in hundert Metern Auflösung, samt mitgeführter Unsicherheit.

Ihre Grenze gehört benannt: Dieser Wert enthält keine Streu und kein Totholz und ist damit systematisch niedriger als die Brennstoffmasse der IPCC-Definition, die beide Speicher einschließt. Bei einer Rechnung auf der ersten Stufe ohne Landnutzungsänderung setzt IPCC diese Speicher ohnehin auf null — das ist konsistent, muss aber in der Ausgabe stehen, sonst wird die Emission unterschätzt und niemand merkt es.

Quellen

IPCC 2006 Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories, Band 4, Kapitel 2 und 4, mit der Überarbeitung von 2019 · ESA CCI Biomass v7.0, Santoro, M.; Cartus, O. (2025), doi:10.5285/6429d1aafe1e43b9b414e4a5a7f8b903

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