Wie eine Brandfläche entsteht
EFFIS kartiert die verbrannte Fläche nach dem Ereignis aus Satellitenbildern und legt zu jedem Umriss einen Attributsatz an: Branddatum, Enddatum, letzte Aktualisierung, Staat, Provinz und Gemeinde, Fläche in Hektar sowie die Anteile der betroffenen Landbedeckungsarten — Laubwald, Nadelwald, Mischwald, Hartlaubvegetation, Übergangsvegetation, Agrarflächen, künstliche Flächen und weitere. Ein Feld nennt zusätzlich den Anteil, der in einem Natura-2000-Gebiet liegt.
Genau aus diesen Anteilen zieht die Emissionsrechnung ihre Vegetationstypen: Ohne den kartierten Landbedeckungsanteil müsste sie einen Verbrennungsfaktor raten.
Die Mindestfläche
Der Layername trägt noch das Wort MODIS, aber die Polygone stammen seit 2018 überwiegend aus Sentinel-2 mit zwanzig Metern. Die oft zitierten 30 Hektar Mindestfläche gelten nur für die MODIS-Auslösung und sind für die heutige Datenlage schlicht falsch.
Gemessen im Arbeitsgebiet für 2026: Der Median liegt bei 12 Hektar, das Minimum bei 1 Hektar, und 26 Polygone tragen 0 Hektar, weil auf ganze Hektar gerundet wird. Die praktische Untergrenze liegt damit bei rund einem Hektar.
Kleine, schnell gelöschte Brände fehlen trotzdem — und zwar systematisch. Wer aus dieser Statistik auf die Arbeitslast einer Wache schließen will, unterschätzt sie. Für die Fläche und die Emissionsbilanz spielt das dagegen kaum eine Rolle: Die Summe wird von den großen Ereignissen getragen.
Abdeckung außerhalb der Europäischen Union
EFFIS ist nicht auf EU-Mitglieder beschränkt. Polygone mit vollem Attributsatz liegen auch für Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo vor — die Zahlen der laufenden Saison stehen unten.
Die Einschränkung liegt woanders: Die veröffentlichte Vollständigkeitsangabe von rund 95 Prozent der verbrannten Fläche gilt ausdrücklich nur für die Europäische Union. Für die übrigen Staaten des Arbeitsgebiets gibt es keine veröffentlichte Angabe. SAMOWESP weist diese Daten deshalb als satellitengestützte Erfassung aus und niemals als amtliche Vollerhebung.
Eine zweite Falle betrifft die Kennzahlen: Die tabellarische Jahresstatistik von EFFIS enthält Serbien und Nordmazedonien, aber nicht Bosnien und Herzegowina, Montenegro oder Kosovo. Für Kennzahlen des Arbeitsgebiets aggregiert SAMOWESP deshalb die Polygone selbst und übernimmt nie die fertige Tabelle.
| Staat | Polygone | Fläche |
|---|---|---|
| Bosnien und Herzegowina | 466 | 21.833 ha |
| Montenegro | 323 | 11.836 ha |
| Kroatien | 96 | 3.866 ha |
| Serbien | 185 | 3.674 ha |
| Nordmazedonien | 95 | 2.686 ha |
| Kosovo | 72 | 1.425 ha |
| Slowenien | 6 | 387 ha |
Eigene Auszählung der EFFIS-Polygone, Stand 2. August 2026. Bosnien und Herzegowina ist damit der am stärksten betroffene Staat im Arbeitsgebiet.
Brandschwere (dNBR) — offen
Wie stark eine Fläche verbrannt ist, sagt der Umriss nicht. Zwischen einem Bodenfeuer, das den Bestand überlebt, und einem Kronenfeuer, das ihn vernichtet, liegen bei gleicher Fläche völlig verschiedene Folgen — für die Wiederbewaldung, für den Erosionsschutz und für die Emissionsmenge.
Das übliche Maß dafür ist der differenzierte Normalized Burn Ratio. Aus dem nahen und dem kurzwelligen Infrarot einer Szene wird je Bildpunkt ein Verhältnis gebildet, das auf verbrannte Vegetation empfindlich reagiert; die Differenz zwischen einer Szene vor und einer nach dem Brand ergibt die Schwere, die anschließend in Klassen eingeteilt wird.
Bei SAMOWESP ist dieser Weg vorbereitet, aber nicht fertig. Szenenauswahl und Bandzugriff stehen mit der Sentinel-2-Kette — zu jeder ausgewählten Szene werden das nahe und das kurzwellige Infrarot mitgeführt. Es fehlen Wolkenmaske, Rechenweg und Klassengrenzen. Bis dahin sind die EFFIS-Polygone das belastbare Nachbrandprodukt. Diese Lücke steht hier, weil eine halbfertige Schwereklassifikation im Lagebild schlimmer wäre als keine.