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VIIRS — Aktivfeuer in 375 Metern

VIIRS ist der Sensor, an dem das Lagebild hängt. Er erkennt Feuer nicht auf einem Bild, sondern an der Wärmestrahlung — und tut das feiner als jeder andere frei verfügbare Sensor über Südosteuropa.

Betreiber
NASA / NOAA
Träger
Suomi-NPP · NOAA-20 · NOAA-21
Auflösung
375 m (Nadir)
Schwadbreite
rund 3040 km
Beobachtungsfenster
23–02 und 10–13 UTC
Latenz
rund 3 h nach Überflug
Bezug
NASA FIRMS

Was der Sensor misst

VIIRS misst in zwei Infrarotkanälen die Helligkeitstemperatur in Kelvin: in einem kurzwelligen, der auf die heiße Flamme anspricht, und in einem langwelligen für die Umgebung. Aus dem Kontrast zwischen beiden entsteht die Detektion. Ein Feuer ist für diesen Sensor also kein Bildmuster, sondern ein Wärmeausreißer — deshalb funktioniert die Erkennung auch nachts, und deshalb scheitert sie an Wolken.

Zu jeder Detektion liefert FIRMS die Feuerstrahlungsleistung in Megawatt. Sie ist das beste verfügbare Maß für die Intensität eines Feuers und die richtige Größe, um Meldungen zu priorisieren: sie unterscheidet den brennenden Hang vom brennenden Gartenhaufen, während die reine Anzahl der Punkte das nicht tut.

Auflösung und ihre Feinheiten

375 Meter sind der Wert im Nadir, also senkrecht unter dem Satelliten. Zum Rand des abgetasteten Streifens werden die Bildpunkte größer; FIRMS führt deshalb zu jeder Detektion die tatsächliche Bodenausdehnung mit, gemessen 0,38 bis 0,73 Kilometer.

Anders als MODIS hält VIIRS die Pixelgröße durch sein Aggregationsschema bis etwa 1200 Kilometer beiderseits der Bodenspur zwischen 375 und 750 Metern; erst danach wird sie deutlich gröber. Ein Überflug, der das Arbeitsgebiet nur streift, liefert also noch brauchbare, aber gröbere Geometrie — die Überflugvorhersage von SAMOWESP kennzeichnet ihn als Randlage, statt ihn zu verschweigen.

Takt und Beobachtungsfenster

Drei Satelliten tragen VIIRS: Suomi-NPP, NOAA-20 und NOAA-21. Über Südosteuropa liegen ihre Überflüge zwischen 23 und 02 Uhr sowie zwischen 10 und 13 Uhr UTC — sechs Beobachtungsfenster am Tag. Dazwischen, zwischen etwa 15 und 1 Uhr Ortszeit, gibt es praktisch keine VIIRS-Beobachtung. Das ist ausgerechnet das mediterrane Nachmittagsmaximum der Brandentstehung.

Die Detektionen stehen rund drei Stunden nach dem Überflug bereit. Die Ultra-Echtzeit-Erkennung unter 60 Sekunden, die NASA für einzelne Regionen anbietet, gibt es ausschließlich für die Vereinigten Staaten und Kanada über vier Direktempfangsstationen; für Südosteuropa ist sie nicht erreichbar.

Grenzen

Schroeder und Kollegen beziffern 2014 die Erkennungsschwelle: ein Flammenfeuer von rund 2 Quadratmetern wird nachts, eines von rund 40 Quadratmetern tagsüber mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit erkannt. Bei Bränden unter 50 Hektar liegt die Erkennungsrate zwischen 15 und 70 Prozent.

Bewölkung blockiert die thermale Detektion vollständig — ein Nullbefund ist deshalb nie eine Entwarnung, sondern kann schlicht Wolke bedeuten. Tag und Nacht sind zudem in der Empfindlichkeit nicht direkt vergleichbar: eine Untersuchung von 2025 legt nahe, dass VIIRS nachts systematisch keine Detektionen niedriger Konfidenz ausliefert.

Und ein einzelner Brand erzeugt viele Bildpunkte, die drei Satelliten mit überlappenden Streifen mehrfach sehen. Rohe Detektionszahlen sind keine Brandzahlen; vor jeder Zählung steht eine raumzeitliche Verdichtung in der Größenordnung von 750 Metern Radius und 12 bis 24 Stunden.

Was SAMOWESP damit macht

SAMOWESP holt die Detektionen aller drei Satelliten über die Flächenschnittstelle von FIRMS, sobald ein Zugangsschlüssel hinterlegt ist, und hält einen schlüssellosen Zweitweg über die statischen Europa-Dateien bereit — ein gesperrter Zugangsschlüssel darf das Lagebild nicht blind stellen. Ohne Schlüssel trägt der Zweitweg allein; er hängt dem Abruf um Minuten hinterher.

In einer Woche der Hochsaison standen im Arbeitsgebiet 869 Detektionen von NOAA-20, 876 von Suomi-NPP und 850 von NOAA-21 gegen 176 von MODIS. VIIRS liefert also rund das Fünffache; für die kleinen Karst- und Macchia-Brände der Adriaküste ist es ohne Alternative.

Für dauerhafte industrielle Wärmequellen — Stahlwerk Zenica, die Kraftwerke Tuzla und Kakanj, das Zementwerk Lukavac — ist eine eigene FIRMS-Abfrage gebaut, die solche Punkte kennzeichnet. Sie setzt denselben Zugangsschlüssel voraus wie die Flächenschnittstelle. Läuft sie nicht, erscheinen diese Anlagen als gewöhnliche Detektionen; welchen Zustand die Maske gerade hat, steht auf der Seite Methodik und im Abrufprotokoll des Lagezentrums.

Quellen

NASA LANCE FIRMS, Teil des NASA Earth Science Data and Information System (ESDIS) · Schroeder u. a. 2014 · eigene Messungen im Arbeitsgebiet, August 2026

SAMOWESP ist eine Marke der samoLabs.